Sekt auf der Sitzung

Eigentlich ging es auf der letzten Senatssitzung wieder um die üblichen Dinge: Studiengänge, Italien-Beirat etc. Leider haben die Studenten die Sitzung wieder gestört, der Tagesspiegel berichtete. Worum ging es?

Die Studentinnen meinen, dass an der FU zu wenig für Flüchtlinge getan wird. Wer sich die Mühe macht und sich das Konzept des Präsidium anschaut (hier der Link), wird feststellen, dass es (im Gegensatz zu einigen anderen Hochschulen) kein Schnellschuss gewesen ist. Flüchtlinge in eine Hochschule zu integrieren, ist nicht so einfach, weil bereits die rechtlichen Hürden durchaus hoch sind: Nach einer Immatrikulation verlieren beispielsweise Flüchtlinge ihre Ansprüche aus dem Asylbewerberleistungsgesetz; man muss also aufpassen, was man hier anbietet. Dass Deutschkurse und weniger ein Seminar zu partiellen stochastischen Differentialgleichungen hier im Vordergrund stehen, ist klug und sinnvoll.

Angeblich wollten die Studenten mit den Senatorinnen darüber diskutieren. Damit hätten wir im Akademischen Senat auch kein Problem gehabt. Es kam aber, wie es immer kommen muss. Es gab Musik, es gab Lautsprecher, ein Senator wurde mit Sekt überkippt (vermutlich versehentlich, aber das spielt dann auch keine Rolle mehr), und mit uns reden wollte niemand. Statt dessen wurde von uns verlangt zuzuhören und es gab laute Proklamationen an den Problemen der Flüchtlingsintegration vorbei. Warum ich mir das antun sollte, blieb auch nach Sekt und Musik unklar.

Ich habe auch inzwischen immer weniger Verständnis dafür, dass die Geschäftsordnung des Senats nur noch auf dem Papier besteht. Besonders irritiert mich, dass einzelne Mitglieder des Senats dies auch noch gutheißen. So wird davon gesprochen, dass sich Studentinnen ausprobieren müssen. Dagegen habe ich nichts; ich würde durchaus auch ein Oberseminar “Akademischer Senat als Organ der Universität” als Dozent anbieten. Warum aber das eigentliche Beschlussorgan nun schon zum dritten Mal für die Selbstfindung von Personen, die nicht wirklich mit uns sprechen wollen, sondern denen es nur noch um Selbstdarstellung geht, herhalten soll, blieb mir an diesem Mittwoch ein Rätsel. Für mich wird das mehr und mehr zur Zeitverschwendung. Flüchtlingen helfen wir so unter keinen Umständen.

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