Archiv für den Monat: Februar 2017

Tenure track

Auch die letzte Sitzung des Wintersemesters verlief ohne größere Überraschungen. Es gab eine Anfrage meines Kollegen Frank Hechtner an den Präsidenten zu den 1000 Professuren aus dem Wanka-Programm und der Präsident beschrieb, wie in etwa das Verfahren und die Antragstellung der Freien Universität aussehen werden. Einige Details müssen noch ausgearbeitet werden, daher sind momentan eher nur die Grundzüge bekannt. Bekanntlich beteiligt sich der Bund an der Schaffung von insgesamt (höchstens) 1000 Professuren, die dann aber – und das ist neu – ein tenure-track-Verfahren beinhalten müssen. Auch unser Fachbereich wird mit mehreren Anträgen dabei sein.

Das hat mich veranlasst über dieses tenure-track nachzudenken. Zum einen ist es zu begrüßen, dass bereits sehr früh für Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der Karriereweg etwas planbarer wird als derzeit. Ich persönlich glaube, dass damit dann auch der Frauenanteil in unserem Fach steigen wird, denn ich denke (allen Frauenprogrammen zum Trotz) dass das Haupthemmnis für die meisten Kolleginnen darin besteht, in der Phase, in der viele eine Familie gründen, die enorme Unsicherheit des Hochschullehrerinnenberufes auf sich zu nehmen. Wird dies durch tenure track abgemildert, könnte eventuell endlich einmal der Frauenanteil signifikant wachsen. (Er ist bei uns am Fachbereich, wenn ich das richtig sehe, nicht größer als Ende der 80er Jahre.)

Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Vermutlich wird dies auch für tenure track gelten. Ich habe die Umstellung der C-Besoldung auf W, die föderale Öffnung der Besoldungsregeln und die Einführung der Juniorprofessur miterleben müssen genau so wie die Etablierung des Bachelor und Master und der Akkreditierungsregularien. In allen Fällen hatte ich nicht nur Probleme zu erkennen, warum diese Reform jetzt unbedingt notwendig war – sie ging immer auch einher mit einem enormen Umstellungsaufwand, bei dem es nicht nur Gewinner, sondern eine Vielzahl von Verlierern gab. Ich bin mir leider sicher, dass dies bei der nächsten großen Reform auf dem Hochschulmarkt nicht anders sein wird. Was zum Beispiel wird aus den Juniorprofessoren, die sich nicht auf einer tenure track-Stelle befinden und noch keine unbefristete Professur gefunden haben? Deren Chancen werden sich mit dem neuen Programm nicht verbessern. Wenn einige Stellen als tenure track ausgeschrieben werden, andere aber nicht – wird es dann überhaupt noch genug Möglichkeiten für junge Leute geben, überhaupt den Weg der Hochschulkarriere zu gehen? Grundsätzlich ist tenure track zu begrüßen (siehe oben), aber ich hätte es besser gefunden, wenn er gleich mit der Einführung der Juniorprofessur etabliert worden wäre. Frau Bulmahn hatte damals anscheinend besseres im Sinn.