Archiv für den Monat: Januar 2017

Die Leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM)

Neben der regulären Tagesordnung gab es auf der letzten Sitzung eine kurze, aber intensive Diskussion über die interne LOM der Freien Universität. Die kürzlich von der Hochschulleitung beschlossene “Kappungsgrenze” bewegt die Gemüter.

Seit etwas mehr als zehn Jahren existiert an der FU ein System der Vergabe interner Leistungsmittel. Von den Zuweisungen an die Fachbereiche werden 30% einbehalten, diese Gesamtsumme wird dann nach einem festen Schlüssel wieder zurückverteilt (es handelt sich also, was gleich wichtig wird, um ein Nullsummenspiel). Dieser Schlüssel berücksichtigt Lehrleistungen, Forschungsergebnisse und die Gleichstellung.

Auf den ersten Blick scheint es sich um eine sinnvolle Methode zu handeln, mit der gute Ergebnisse in den wichtigsten Arbeitsgebieten einer Universität belohnt werden. Der zweite Blick offenbart aber, dass die Sache nicht so einfach ist:

  1. Das Nullsummenspiel bedeutet, dass kontinuierliche Leistung nicht genügt. Man muss vielmehr ständig steigern. Sehr schön deutlich machte dies Harm Kuper als er darauf verwies, dass die hohe Frauenquote unter Hochschullehrern an seinem Fachbereich dazu führt, dass nahezu keine Gleichstellungsmitteln mehr zugewiesen werden. Ein eher absurdes Ergebnis.
  2. Eine Universität ist kein Unternehmen, das Kleiderbügel oder Socken produziert. Man kann nicht einen Schalter umlegen und dann “entstehen” sofort statt Betriebswirten nur noch Englisch-Lehrerinnen. Also sind Verteilungssysteme, die wie in einem umsatzgetriebenen Unternehmen Maßzahlen exekutieren, mit großer Vorsicht zu genießen. Dafür fehlen zu viele Einsatzfaktoren, dafür sind viele Effekte schwer oder gar nicht beeinflussbar, dafür wird das Zusammenspiel aus Landespolitik und Hochschulpolitik zu wenig gewürdigt.
  3. Die Prozesse an einer Universität sind oft langwierig und benötigen Vorlauf. Das, was wir heute tun, kann manchmal erst in Jahren Erfolg zeigen; eine LOM muss aber jährlich erstellt werden und jährlich hart abrechnen. Dadurch kann die LOM Anreizeffekte auslösen, die langfristigen Zielen entgegensteht.

Im letzten Jahr war es nun so, dass in Folge der Überbuchungen an den drei Fachbereichen Wiwi, Jura und ErzPsych die Lehrleistungen dieser Fachbereiche zumindest unter Druck kamen; wir haben sogar deutlich verloren. Als sich herausstellte, dass im Jahr 2017 die LOM völlig aus dem Rude zu laufen drohte, zog die Hochschulleitung eine Kappungsgrenze ein. Die Verluste werden begrenzt, was uns zugute kam. Da es sich aber um ein Nullsummenspiel handelt, wurden so auch die Gewinne begrenzt – und genauer dieser Punkt wurde beanstandet. 

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man weniger Geld zugewiesen bekommt. Aber die Kritik, die am Präsidium vorgebracht wurde, konnte ich nicht nachvollziehen. Angeblich wäre die Kappungsgrenze motivationshemmend – wie soll das gehen, wenn man vorher nicht weiß, wie viel man nachher bekommt? Weiter: Sollte es wirklich so sein, dass unsere Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer nicht mehr bereit sind an der Exzellenzinitiative zu arbeiten, weil sie wenige Tausend Euro nicht vorhergesehene Haushaltsmittel nun doch nicht erhalten? Ist nicht vielmehr die Anerkennung durch die Kolleginnen und Kollegen der entscheidende Antrieb? Durch die Kappungsgrenze würde sich zeigen, dass die LOM nicht funktioniert – das stimmt, aber dass die LOM nicht funktioniert, wurde bereits durch die Überbuchungen deutlich. Denn wenn die LOM ein effektives Anreizinstrument wäre, hätte es gar keine unterbuchten Studiengänge und damit auch keine Überbuchungen geben dürfen.

Sicherlich ist die Kappungsgrenze für diejenigen ärgerlich, die mehr vom Kuchen abbekommen hätten. Für uns war sie überlebenswichtig. An dieser Stelle müssen wir untereinander solidarisch sein, immerhin schultern wir auch seit mehreren Jahren eine Überbuchung, die wir mi unseren nachgefragten Studiengängen auch nicht ursächlich zu verantworten haben.