Archiv für den Monat: November 2015

Haushaltsberatungen

Auf der Sitzung am Mittwoch stand (nur) der Haushalt auf der Tagesordnung. Zwar wird dieser letztendlich vom Kuratorium beschlossen (es heißt genauer “er wird festgestellt”),  aber der Senat hat das Recht, Stellung zu nehmen. Insofern war von vornherein keine heiße Debatte zu erwarten. Es kommt noch hinzu, dass sehr viele Ausgaben des Haushaltes durch Gesetz und Verordnung vorgegeben sind. Beispielsweise muss die Freie Universität die Pensionslasten ihrer Renterinnen und Pensionäre selbst tragen, einmal eingestellte Beamte können bekanntlich nicht entlassen werden und wenn man (wie die FU) bauen will, kann man dies nicht ohne Bauabteilungen tun – daher ist der Personalbedarf sehr umfassen fixiert und dieser macht schon einen Löwenanteil aller Ausgaben aus. Von daher bestehen die Haushaltsdiskussionen oft eher in der trostlosen Feststellung, dass das Land schon wieder nicht genug Geld bereit gestellt hat, um die Bedarfe der FU zu decken. Das war am Mittwoch nicht anders. Das Land zieht sich dabei auf sehr formelhafte Zuweisungen zurück, die konkreten Geldsummen, die die FU erhält, ergeben sich aus einem Zusammenspiel vieler Kennzahlen. Dass die FU dabei erneut schlechter als von uns gewünscht abschneidet, liegt im Wesentlichen an drei Faktoren:

  1. Wir bilden zu wenig Lehrer aus. Das ist unbestritten der Fall, man muss aber hinzufügen, dass der Lehrerberuf in Berlin nicht etwa deshalb unattraktiv ist, weil man hier keine guten Professorinnen hat. Vielmehr verbeamtet Berlin seit Jahren nicht mehr und das Lehrerbildungsgesetz war eine der großen Auseinandersetzungen der großen Koalition. Dieses Problem hat sich das Land selbst zuzuschreiben.
  2. Wir haben insgesamt zu wenig Studienanfänger.  Dies hat seine Ursache unter anderem im Profil der FU. Aufgrund der Exzellenzinitiative war es sinnvoll und notwendig, auch die so genannten Kleinen Fächer aufrecht zu erhalten (das sind aber keinesfalls die einzigen Studiengänge, die unterbesetzt sind: MINT gehört auch dazu). Die zeichnen sich nun einmal dadurch aus, dass sie wenig Studenten attrahieren. Hier besteht in der Tat eine Aufgabe für die FU, die lösbar wäre: Eine Reform der Studiengänge. Ob und wie das gelingt, wird eine der spannenden Fragen sein.
  3. Es verbleiben nicht genug Studienanfänger bei uns, sondern steigen vorher aus. Ob wir dieses Problem in den Griff kriegen, vermag ich nicht zu sagen. Ich stelle nur fest: Wenn wir mehr Studienanfänger aufnehmen, sind das eher Kandidatinnen und Kandidaten mit schlechteren Noten. Diese finden nun, weil die Hörsäle so voll sind, keine besseren, sondern ungünstigere Bedingungen vor. Wer 1 und 1 zusammenrechnen kann, weiß, was passiert: Einige Studenten geben vorher auf.

Wir werden sehen, wie sich das Ergebnis der Haushaltsberatungen in unserem Fachbereich auswirken wird. Spätestens dann, wenn wir den eigenen Fachbereichshaushalt beschließen.