Archiv für den Monat: Januar 2015

Verlängerung von Studiengängen

Auf der Tagesordnung des Akademischen Senats vom 21. Januar stand unter anderem die Verlängerung zweier weiterbildender Masterstudiengänge (Childhood Studies and Children’s Rights sowie Intercultural Education am FB Erziehungswissenschaft und Psychologie). Diese Studiengänge waren seinerzeit nur befristet eingerichtet worden: Ein an der FU übliches Verfahren, weil bei einer Einrichtung eines Studienganges seine zukünftige Auslastung eigentlich nur geschätzt werden kann. Es gab wurde diskutiert und beide Studiengänge wurden für eine weitere 2-Jahres-Periode verlängert. Erstaunlich war für mich weniger der Beschluss, sondern was im Laufe der Diskussion zutage trat.

Zuerst einmal muss man festhalten, dass die Thematik einer interkulturellen Bildung nicht unterschätzt werden darf. Viele Probleme, die wir in diesen Tagen sogar in der aktuellen politischen Auseinandersetzung erleben, könnten sicherlich viel besser angepackt werden, wenn ein solcher Studiengang erfolgreich wäre. Aber jeder Studiengang, so interessant er auch sein mag, bedarf nicht nur einer thematischen, sondern auch einer personellen Fundierung. Ohne einen stabilen Lehrkörper an der FU, der sich mit dem Thema identifiziert, sind selbst die spannendsten Studieninhalte nicht vermittelbar. All das Gesagte gilt wortwörtlich auch für den Studiengang Childhood Studies.

Es stellte sich nun heraus, dass diese Studiengänge von einem Hochschullehrer eingerichtet worden waren, der ein Jahr später in den Ruhestand ging. Das muss erst einmal nicht dramatisch sein, wenn der Fachbereich das Thema mitträgt. Dies aber war nun nicht der Fall – alle Neuberufenen waren nicht in der Lage, die Federführung zu übernehmen. Damit waren beide Studiengänge an der FU praktisch führungslos – ein gegenüber den Studentinnen und Studenten untragbarer Zustand. Welchen Sinn macht eine Ausbildung, die am Ende von Lehrbeauftragten eher notdürftig zusammengehalten wird? Was passiert mit einem curriculum, wenn sich niemand berufen und in der Lage fühlt, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse einzubauen? Auf diese Weise geht die Verbindung zwischen Theorie und Lehre in dem Studiengang verloren, was wir an der FU nicht zulassen dürfen. Konsequenterweise hatte daher der Fachbereichsrat unter Vorsitz seines Dekans Harm Kuper einstimmig (!) beschlossen, zwar den Senat noch einmal um eine Verlängerung zu bitten, dann aber (also in zwei Jahren) den Studiengang auslaufen zu lassen.

Dass die Studentenvertreter mit einer Einstellung eines Studienganges ein Problem haben, war für mich nachvollziehbar (obwohl ich es nicht für richtig hielt, aber die Studentinnen haben hier andere Interessen). Man könnte aber meinen, dass die Einstellung von den professoralen Fachvertretern im Senat mitgetragen wird. Völlig unverständlich war aber der Wortbeitrag einer erziehungswissenschaftlichen Kollegin aus dem “Dienstagskreis”. Sie bat um eine Verschiebung des Tagesordnungspunktes, weil sie 1. bei der Fachbereichsrat(FBR)-Sitzung nicht anwesend war und 2. sich daher keine Meinung hatte bilden können.

Nun tagt der Akademische Senat nicht zum Spaß, genauso wenig wie der FBR. Zum ersten ist ein einstimmiges Votum des FBR ein sehr deutliches Signal. Zum anderen sind mit der Wahl zur Senatorin nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten verbunden – in diesem Fall mit der Pflicht, sich vor der Sitzung ausreichend zu informieren. Tut man dies nicht, kann dies nur dann als Argument dienen, wenn die Sitzungsleitung absichtlich Informationen zurückhielt, um so Entscheidungen zu beeinflussen. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dass so etwas bisher jemals in unserem Senat passiert ist.

Wenn wir als Senatorinnen und Senatoren unsere Pflichten nicht wahrnehmen, dürfen wir uns auch nicht über die Qualität unserer Entscheidungen zu beschweren. Entschieden werden muss trotzdem. Leider bedeutet Senatorin-sein auch, dass man sich über die vielen Texte, die einem übersandt werden, Gedanken machen muss. Das verlangt Selbstverwaltung nun einmal.