Archiv für den Monat: Juni 2014

Snowden wird Ehrenmitglied der FU

Auf der letzten Senatssitzung wurde (unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie in solchen Fällen grundsätzlich üblich) der Antrag eines studentischen Vertreters, Edward Snowden zum Ehrenmitglied der FU zu ernennen, behandelt. Der Antrag erhielt eine (knappe) Mehrheit.

Über die Sitzung selbst hat der Tagesspiegel nach meinem Empfinden sehr sachlich berichtet. Etwas wundersam ist dies insoweit, als der Journalist ja nicht an der Sitzung hat teilnehmen dürfen…

Die Ehrenmitgliedschaft einer Universität ist im Berliner Hochschulgesetz geregelt. Dort heißt es “Alle Hochschulen haben das Recht, die Würde eines Ehrenmitglieds zu verleihen. Näheres regeln die Hochschulen durch die Grundordnung” (BerlHG § 2 Abs 6). Während HU und TU dies detailliert reglementieren (die HU durch eine eigene Satzung, die TU in ihrer Teilgrundordnung), hat die FU keine weiteren Regelungen erlassen. Beispielsweise verlangen HU und TU, dass sich das zukünftige Ehrenmitglied Verdienste um die jeweilige Universität erworben hat. An der FU wurde der Antrag damit begründet, dass sich Snowden durch die Offenlegung der NAS-Datenerfassung ”außergewöhnlich für Transparenz, Gerechtigkeit und Freiheit eingesetzt” habe und dies passe sehr gut zu den Grundsätzen der FU Veritas, Iustitia und Libertas.

Mich hat diese Begründung nicht überzeugt. Dabei geht es mir nicht um den Beitrag, den Snowden selbst geleistet hat. Mir geht es eher um die Frage, inwieweit seine Offenlegung eine Leistung war, die mit der FU in Zusammenhang steht. Diese nur mit den drei Leitbegriffe der FU in Verbindung bringen zu können, erscheint mir sehr wenig. Es gibt viele Menschen, die sich für Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen (Pussy Riot zum Beispiel). Warum werden diese dann nicht auch zu Ehrenmitgliedern ernannt?

Ich vermute ein viel profaneres Motiv hinter der studentischen Initiative: Antiamerikanismus. Die Vereinigten Staaten gelten besonders einigen Linken als Feindbild für die Missstände, die die heutige Zeit prägen. Und Edward Snowden ist der “gute Amerikaner”, der es den dort Herrschenden einmal richtig gezeigt hat. Ihn dann zum Ehrenmitglied einer Universität zu ernennen, die mit amerikanischer Hilfe aufgebaut wurde und die ein Zentrales Institut nach einem amerikanischen Präsidenten benannt hat, erscheint den studentischen Mitgliedern des Akademischen Senats als Sieg in ihrem ideologischen Kampf gegen die Vereinigten Staaten. Ich  bin mir sicher, dass Snowden, hätte er als Administrator des russischen FSB Geheimnisverrat begangen, keine Chance auf eine Ehrenmitgliedschaft der FU gehabt hätte. Hier wurde, das ist meine Überzeugung, die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft für politische Zwecke instrumentalisiert.

Dass die Mehrheit der studentischen Mitglieder im Senat so abstimmt, war klar. Dass anscheinend weitere Listen sich dem anschlossen, ist armselig.