Archiv für den Monat: November 2013

Noch einmal Professorenbesoldung

Heute waren ein Antrag und ein Besprechungspunkt auf der Agenda, den ich als Hochschullehrer wichtig empfand.

Noch einmal ging es um die Professorenbesoldung, diesmal allerdings konkreter als bei letzten Sitzung. Es gab einen Antrag aus der Mitte der Hochschullehrer, eine Arbeitsgruppe für eine Satzung einzurichten; diese Satzung soll die “Regeln zur Vergabe von besonderen Leistungsbezügen” regeln. Das so sperrig beschriebene und nach müdem Beamtendeutsch klingende Thema bietet genug Sprengstoff für die nächsten Jahre.

Das Gehalt der Hochschullehrer beruht auf zwei Säulen: Einem Grundgehalt und Zulagen, die präzise “Leistungsbezüge” genannt werden. Derer gibt es drei: Für Funktionen (Dekan, Präsident usw.), für Berufungen (diese Zulagen gab es schon im früheren System, der so genannten C-Besoldung) und eben für besondere Leistungen. Gerade diese Zulagen für besondere Leistungen fehlten im alten C-System und wurden von der Politik für eine Verkrustung der universitären Strukturen verantwortlich gemacht (ich persönlich glaube, dass der Grund eher in einer hemmungslosen “Einstellungswut” der späten 70er Jahre im Gefolge der 68er-Bewegung zu suchen ist): Während sich früher nur durch einen Wechsel an andere Hochschulen das Gehalt und die Ausstattung steigern ließen, kann man jetzt vor Ort bleiben und dennoch für außergewöhnliche Leistungen eine Prämie bekommen.

Wie alle guten Idee hat auch diese mindestens zwei Haken:

  1. Der Weg zum Hochschullehrer ist steinig. Typischerweise sind Professorinnen etwa Ende 30 – Anfang 40, wenn sie ihren ersten Ruf bekommen. Diesen Weg gehen nur diejenigen zu Ende, die eine hohe Motivation verinnerlicht haben. Diese Professoren arbeiten, weil ihnen der Beruf Spaß macht – und nicht, weil eine Veröffentlichung 200 oder 250 Euro bringen kann.
    Führt man an dieser Stelle nun Prämien ein, so wird genau diese intrinsische Motivation nicht nur überlagert, sie wird zerstört und kehrt im Zweifel nicht mehr zurück. Dazu gibt es inzwischen belastbare wissenschaftliche Untersuchungen, die sogar den Eingang in die Tagespresse gefunden haben  (siehe Korrumpierungseffekt). Wohin solche Entwicklungen führen, kann man nur ahnen; die bisherigen Anzeichen machen jedenfalls wenig Mut für die Wissenschaft.
  2. Wenn man diese Idee umsetzen will, so tun sich massive Probleme auf. So muss man beispielsweise verschiedene Fachgruppen miteinander vergleichen. Aber wie soll man die Veröffentlichung eines Informatikers mit der eines Theologen und der eines Mathematikers abwägen? Und eben das muss man tun, wenn man Geld verteilen will.

Für Ökonomen hat Geld den Vorteil, nur eine Dimension zu besitzen: Mehr Geld ist besser. Aber bei der Wissenschaft, so finde ich, kann sich dieser Vorteil in das Gegenteil verkehren. Verweigert man einer Wissenschaftlerin eine Zulage von 100 Euro und zeichnet einen Kollegen aus einem anderen Fach aus, so wist zu befürchten, dass die Wissenschaftlerin dies als Zurückweisung ihrer Arbeit empfinden wird – mit, wie ich befürchte, noch nicht abzusehenden Konsequenzen. Auch wenn wir als akademischer Senat eine solche Satzung diskutieren und beschließen müssen, gefällt mir die sich abzeichnende Entwicklung nicht.  

PS Dass das neue Zulagensystem außerdem gerichtsfest sein muss, ist übrigens alles andere als offen.