Archiv für den Monat: Juli 2013

Datenschutzsatzung

Auf der letzten Senatssitzung wurde die Datenschutzsatzung der FU diskutiert (eine endgültige Verabschiedung scheiterte am Gruppenveto der Studenten, die Satzung kommt also in der nächsten Sitzung wieder auf die Tagesordnung). Man könnte glauben, dass sich der Senat wegen Prism dieses Themas annahm und deshalb schnell entschieden hat – allerdings währte die Arbeit an der Datenschutzsatzung fast fünf Jahre und es ist purer Zufall, dass letzten Mittwoch die Abstimmung erfolgte, die Satzung sollte eigentlich auf einer früheren Sitzung verabschiedet werden.

Solch eine Datenschutzsatzung ist eine komplexe Angelegenheit. Es gibt zwei gegenläufige Interessen, die hier ausgeglichen werden müssen. Zum Beispiel möchte niemand Daten, die während der Studiums erhoben werden (Krankmeldungen, Gründe für Urlaubssemester etc.) Jahre später im Internet finden, das versteht sich von selbst. Hier war mein Eindruck, dass die Spezialisten (im Wesentlichen aus der Verwaltung), die mit der Erarbeitung der Satzung befasst waren, eher sehr zögerlich Daten speichern wollen und nur erfassen, was unbedingt notwendig ist.

Auf der anderen Seite werden Datensammlungen bei uns aus zwei Gründen benötigt:

  1. Die FU nutzt für ihre Verwaltung ein SAP-Programm und wenn Prüfungsverwaltung, Gehaltsabrechnungen, Dienstreiseerstattungen etc effizient funktionieren sollen, müssen eben Daten gespeichert werden. Wie effektiv die FU dies macht, wird einem erst klar, wenn man einmal an anderen Universitäten studiert oder gearbeitet hat. Ich kenne Fälle, in denen ein kompletter Studiengang von 50 Studenten seine Urkunden erst nach einem Jahr bekam, weil ein (handgestricktes) Programm nicht tat, was es tun sollte. Ich weiß von einer Universität, in der Studentinnen auf der Seite der Prüfungsanmeldung gebeten werden, sich Screenshots zu Beweiszwecken auszudrucken. Mir wurde mitgeteilt, dass Mitarbeiter an einer anderen Universität sechs Monate warten müssen, bis ihre Auslagen für Dienstreisen erstattet werden. All das gibt es bei uns nicht, unter Anderem weil wir Daten speichern.
  2. Wir sind Wissenschaftler und benötigen für fundierte Entscheidungen viele Daten. Wenn wir wissen wollen, bei welchem Modul es in einem Studiengang hapert, wie man die Studiendauern verkürzen kann und ob Änderungen an der Studienordnung den gewünschten Erfolg gebracht haben, muss man Daten erheben und auswerten. Ich wurde beispielsweise vom Statistischen Bundesamt aufgefordert, im Monat Juli an der so genannten Feinauswertung der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (evs) teilzunehmen. Dabei muss ich jedes Nahrungsmittel, das ich im Juli erwerbe, mit Kaufdatum, Qualität, Menge und Preis notieren (Zitat: “Bitte nicht Brot, sondern Roggenmischbrot oder Buttermilchbrot; bitte nicht 1 Stück, sondern 750g” etc., für diesen Aufwand bekomme ich übrigens insgesamt 10 Euro). Ich nehme an dieser evs gern teil, weil ich eine Kollegin kenne, die mit diesen Daten arbeitet und beispielsweise so herausfinden könnte, wen eine Erhöhung einer Umsatzsteuer stark und wen weniger stark belasten wird. Und was für die evs gilt, trifft eben auch auf die an der FU erhobenen Daten zu. Wir brauchen diese Daten, und wir brauchen eine Datenschutzsatzung.

Mein Eindruck am letzten Mittwoch war, dass diese Satzung einen sehr guten Kompromiss darstellt.